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PORTRAIT ROBERT SCHRÖDEL, 2007

Das Magazin für die Gesundheitswirtschaft

BERUF, KARRIERE
Heft 127, Januar 2007










NO RISK, NO FUN
PORTRÄT ROBERT SCHRÖDEL

Vom Produktmanager über den Berater zum Unternehmer. Robert Schrödel hat mit der industriellen Wiederaufarbeitung von medizinischen Einmalprodukten eine lukrative Marktlücke entdeckt.

Für die einen ist er ein Held, für die anderen ein rotes Tuch. Robert Schrödel ist Gründer und Vorstandsvorsitzender der Berliner Vanguard AG. Sein Hauptgeschäftsfeld ist die professionelle Aufbereitung von medizinischen Einmalinstrumenten. Vanguard ist europaweit Marktführer bei diesem Verfahren, mehr als 1.000 Kliniken nehmen seine Dienste schon in Anspruch, und das Unternehmen wächst schnell, zuletzt auch in andere Geschäftsfelder. Der Regierende Bürgermeister von Berlin, Klaus Wowereit, feiert Schrödel für seine Leistungen, die der wirtschaftlich Not leidenden Stadt Steuergelder und Arbeitsplätze bringen. Die Hersteller medizinischer Einmalinstrumente sind dagegen alles andere als begeistert. Für jede Aufarbeitung eines Medizinprodukts bei Vanguard könnte die Industrie ohne Schrödel stets ein neues Produkt verkaufen. Das schafft Verdruss.

Angefangen hat Schrödel im Jahr 1988 mit 16 Mitarbeitern, heute beschäftigt er bereits 1.200, und das soll noch nicht alles gewesen sein. Sein Firmensitz an der Berliner Friedrichstraße über den Dächern eines der teuersten Bezirke der Hauptstadt erstreckt sich über drei Etagen und demonstriert mit eindrucksvoller Innenarchitektur und edler Einrichtung den wirtschaftlichen Erfolg des Unternehmens. Dort kann man sich wohlfühlen. Bei Robert Schrödel ist alles aufeinander abgestimmt, von seiner Kleidung bis zum Mobiliar seines Büros, das zu den Kunstwerken an den Wänden passt.

Robert Schrödel wird in Bayreuth geboren. Dort wächst er über 15 Jahre lang in einem Haus auf, in dem vier Generationen leben. „Ich habe es gelernt, mit verschiedenen Meinungen und Mentalitäten umzugehen“, sagt er. Das hat ihn geprägt. Vater bringt ihm bei, dass man ein „Nein“ nicht immer akzeptieren muss, von der Urgroßmutter „habe ich eine hohe soziale Kompetenz mitbekommen“.

Das Studium der Wirtschaftswissenschaften in Nürnberg fi nanziert er sich mit Trommeln. „Ich bin nicht reich geboren“, sagt er leicht. Deshalb tingelt er als Schlagzeuger mit seiner Band von Würzburg bis Hof, um in Tanzsälen zu spielen. Eher zufällig absolviert er in dieser Zeit einige Praktika im Gesundheitsbereich und merkt, dass das Thema ihn interessiert. „Vielleicht auch, weil es nicht so leicht zu durchschauen ist.“

Nach dem Studium geht er zu Akzo Nobel, einem holländischen Pharma-und Medizinproduktekonzern, durchläuft dort ein zweijähriges TraiTrainee-Programm, wird anschließend Produktmanager. Drei Jahre später ruft Schering an. Der Konzern hat damals massive Probleme. Also zieht Schrödel 1981 aus dem tollen München mit der schönen Umgebung in das eingemauerte Berlin, was ihm zunächst gar nicht gefällt.

„Früher hat man gesagt, geh dahin, wo die Leute am schlechtesten angezogen sind, dann weißt du, dass du in Berlin bist“, macht er sich lustig über die Stadt, die er heute liebt. Robert Schrödel mietet eine kleine Wohnung am Schlachtensee und arbeitet neun Jahre erfolgreich für Schering. „So schön, wie das war, aber nach dieser Zeit hatte ich die Nase voll vom Konzern!“ Einen Großteil seiner Energie habe er in interne Konsensgespräche oder Überzeugungsarbeit investiert.

„Irgendwann muss man die Entscheidung treffen, ob man die Regeln akzeptiert oder sich für eine tolle Erfahrung bedankt und etwas anderes macht.“ Schrödel entscheidet sich für Letzteres und gründet mit guten Freunden, dem Ehepaar Nowak, ein Beratungsunternehmen, die „Nowak und Schrödel GmbH Integrative Konzepte“. Die Nowaks haben bereits ein Marktforschungsinstitut in Heidelberg und in Frankreich verschiedene Beratungsunternehmen – und genau das findet Robert Schrödel reizvoll: Aus Marktforschungsergebnissen direkt Strategien zu entwickeln. Man setzt also auf die Marktforschungsinstitute eine Art Anwendungsberatung auf, berät weiterhin Schering, aber auch andere große Konzerne wie BMW, Mercedes oder die Telekom.

Nicht lange danach wollen sich die Nowaks – inzwischen um die 70 Jahre alt – aus dem Geschäft zurückziehen. Schrödel selbst findet Consulting zwar weiterhin interessant, sieht aber zunehmend auch einen anderen Aspekt: „Das hat eine leichte Tendenz zur Tagelohnarbeit.“ Und das passt dem Unternehmer nicht mehr so richtig.

Zu diesem Zeitpunkt wird die Vanguard-Idee geboren: Die Nowaks und Schrödel betreuen einen Auftrag der Europäischen Kommission, sollen gemeinsam mit fünf Partnerkliniken ökologische wie ökonomische Ressourcen aufspüren und optimieren. „Das war 1992, eine Zeit, in der Umweltschutz noch großgeschrieben wurde.“ Damals habe ökologisch sinnvolles Handeln noch einen Wert gehabt und man konnte sich mit einer klugen ökologischen Positionierung auch eine ordentliche Wettbewerbsposition erarbeiten. Den Auftrag betreut Robert Schrödel mehr als zwei Jahre und wird aufmerksam: „Ich habe da festgestellt, was wir für einen Wahnsinn mit medizinischen Produkten betreiben.“ Das bringt ihn auf die Idee, Mehrwegtechnologien zu entwickeln.

Schrödel muss nun überzeugen: Etwa die Technische Universität, sich in neue technische Anlagen hineinzudenken, um neue Reinigungs-, Desinfektions- oder Prüfautomaten zu entwickeln. Er muss Hersteller fi nden, die den Wissenschaftlern sagen, was sie wie tun und beachten müssen. Er muss sein privates Geld zählen, seine Wohnung beleihen und einen Freund aus Schering-Zeiten als Co-Investor gewinnen. So gewappnet gründet er im Jahr 1998 Vanguard – mit 16 Leuten und sieben Millionen DM Investitionskapital, die gestemmt werden müssen. „Wenn das damals in die Hosen gegangen wäre, wäre das nicht so gut gewesen“, resümiert Schrödel lakonisch. Mittlerweile sieht er sein Unternehmen bei der medizinischen Produkteaufbereitung auf Platz eins in Deutschland: „Wir setzen die Standards.“ Sein Ehrgeiz ist es, auch europaweit die Referenz zu werden. Über 1.000 Kliniken nutzen inzwischen die Dienstleistungen von Vanguard, 680 davon in Deutschland. 2004 erweitert Schrödel seine Aktivitäten und übernimmt den französischen Marktführer für die Entwicklung von Softwarelösungen zur Prozesssteuerung in Operationssälen, zur Verwaltung der medizinischen Gerätetechnik und zum Management von Sterilisationstechniken. 25 Leute sind bei Vanguard ausschließlich in der Forschung tätig, was Schrödel selbstbewusst sagen lässt, bei Vanguard aufgearbeitete Medizinprodukte seien mindestens so gut wie neue.

„Die Hersteller von Einwegmaterial haben zunehmend ein Problem mit uns“, sagt Schrödels Marketingchef. Die Politik dagegen schätzt das Engagement des umtriebigen Mittelständlers. Wie etwa der Regierende Bürgermeister von Berlin, der sich öffentlich mit Robert Schrödel über die zukunftsweisenden und technologieorientierten Dienstleistungen freut: „So kann Berlin als Standort für den Health-Care-Sektor weiter ausgebaut werden“, sagt Wowereit in einem Interview.

Irgendwann einmal möchte Schrödel nicht mehr der Engpass in seinem Unternehmen sein: „In einem eigentümergeführten Haus kapriziert sich alles auf diese eine Person.“ Das will er in den nächsten ein, zwei Jahren ändern. Was aber nicht heißen soll, dass er sich zurückziehen wird: „Nee, ich bin absolut fit.“ Schrödel will ganz einfach ein Stück aus dem alltäglichen Geschäft raus und mehr strategisch arbeiten. Außerdem hasst er langwierige Entscheidungsprozesse, und bei der Größe, die Vanguard erreicht hat, dauert ihm manches zu lange, „weil ich die meisten Entscheidungen alleine treffe“.

Robert Schrödel liebt Raubkatzen und Segeln, und beides passt gut zu ihm. Segler sind freiheitsliebend und müssen sich immer wieder gefährlichen Situationen stellen – wie Schrödel das in seinem Leben schon öfter getan hat. „Katzen haben Kraft und sind lässig“, sagt er, und es fällt einem nicht schwer, diese beiden Eigenschaften auf ihn persönlich zu beziehen. Wenn man einem Menschen wie Robert Schrödel begegnet, ringt er einem mindestens Respekt ab: Der Mann ist intelligent, er ist mutig, und er ist erfolgreich.

Text: Sara Stern
Fotos: Volkmar Otto

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